Weltaidstag – 1. Dezember 2018

Programmpunkte:

Vorabend zum Weltaidstag – Donnerstag, 30.11.2018,
19:30 Uhr „KC-Abend“ – Fortbildungsveranstaltung offen für Interessierte und Betroffene im Kings Club (Gymnasiumstr., Ecke Calwer Str., Stuttgart) mit dem Thema: „HIV gestern-heute-morgen, im Gespräch: Siegfried Schwarze, Pharmaforscher und engagierter Positiver, und Albrecht Ulmer, HIV-Schwerpunktarzt.

 

Weltaidstag, Freitag, 1. Dezember 2018
18 Uhr
, Freitreppe beim Kunstmuseum auf dem Stuttgarter Schlossplatz: Bildung einer Solidaritätsschleife auf Initiative der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V.

20 Uhr Gottesdienst + Beisammensein in der Kirche der altkatholischen Gemeinde, St. Katharina (Katharinenplatz 5 – Ecke Olgastraße), evangelische und katholische Aidsseelsorge

Jörg Döll+

Wie viele Wohnungen hast du geräumt und renoviert, lieber Jörg! Wie viele Leben dadurch mitgetragen! Ein zupackender Handwerker. Warst dir nicht zu schade, anderen dabei zu helfen, ihr Leben zu ordnen und zu bewältigen. So sachlich hast du immer davon erzählt, als ob es nicht der Rede wert sei. Aber viel äußere und innere Last hast du dabei mitgetragen. Und dein lautes Lachen, daran erinnere ich mich gern. Ich wünsche mir, du entdeckst die geheimnisvolle Ordnung in deinem eigenen Leben jetzt auch mit einem Lächeln. Und lässt deine Frau, deine Kinder und deine Freundinnen und Freunde daran teilhaben.                                       Uwe

Klaus Löffel+

Es war deine Entscheidung, Klaus, diesem Leben einen Endpunkt zu setzen. Ewig auf der Suche warst du. Du hast es als einzigen Kampf erlebt, den du nicht mehr weiter führen wolltest. Das haben wir zu respektieren. Und selbst in diesem Abschied hast du noch schlicht und dankbar viele wahrgenommen und mit einem zugewandten Wort beschenkt, das jetzt noch wirksam da ist.             Uwe

Mongolen-Ralf+

Ralf Zilligen – den Meisten war er als Mongolen-Ralf bekannt. Als Erklärung zu dem Spitznamen sagte er immer grinsend: „Das ist, weil ich aus der Mongolei hierher geritten bin. Und auf dem Weg habe ich Hunger gekriegt und mein Pferd aufgegessen.“ Noch nicht lange war er überglücklich endlich wieder in einer eigenen Wohnung für sich. Und er hatte auch schon eine Ahnung, dass seine Zeit in der sichtbaren Welt dem Ende entgegen ging. Beim UD-Festival im Sommer sagte er schon: „Das ist mein letztes UD.“

Bailey+

Sandra musste ihren Bailey gehen lassen. Immernoch vermisst sie ihn sehr. Mit seiner Dackelfreundin Sissy war der schwarze, edle Dackelrüde regelmäßiger Gast in der Brücke. Zurückhaltend, fast misstrauisch und sehr aufmerksam prüfend war er immer da. Nicht jeden hat er nahe an sich rangelassen. Da hat er in seiner instinktsicheren Art mich oft daran erinnert, dass es manchmal auch gesund ist, vorsichtigen Abstand zu halten und sich langsam anzunähern.                Uwe

Michael+

Micha+

Da sitze ich in der fernen großen Stadt und mich erreicht die Nachricht, dass Micha gestorben ist.

Micha ist tot. Das geht in meiner Vorstellung GAR nicht. Ich habe Micha schon lange nicht mehr gesehen. Und außer den Postkarten zu den üblichen Feierlichkeiten habe ich auch schon lange nichts mehr von ihm gehört. Somit weiß ich natürlich nicht, wie es ihm wirklich geht…bin aber immer davon ausgegangen, dass alles gut ist. Das stand auch auf seiner Weihnachtskarte vom Dezember, dass sich viel getan habe in seinem Leben und es ihm gut gehe.

Micha und ich, wir waren über zehn Jahre ein Team. Micha und die Sozialarbeiterin, manchmal aber auch Micha und Michi.

Jede Woche haben wir uns getroffen. Wir haben viel erledigt, viel geredet, viel gelacht, aber auch viel miteinander gestritten.

Micha ist wie ein kleiner Junge, macht wonach ihm der Sinn steht, auch wenn es ihn in große und kleine Schwierigkeiten bringt und er dadurch oft den Ärger seiner Mitmenschen auf sich zieht. Egal, sagt er dann. Ich bin mir sicher, es ist ihm nicht egal. Er fühlt sich alleine und missverstanden.

Micha ist für mich ein ständig unterschätzter, liebenswerter, liebevoller, lebenslustiger, genussfreudiger, witziger, gerissener, hilfsbereiter, glücksuchender Mann.

 

Ich bin mir sicher, er wird uns allen fehlen. Ich hoffe, er weiß das.

Michaela

 

 

Nikola P.

Nikola war klug, liebenswürdig und gebildet.

Er hatte zwei zuhause, ging über das Wochenende lange Zeit noch heim.

Unter der Woche war er in der WG.

Nikola brachte Leben in die WG, half oft und gerne in der Küche.

Das war dann die Zeit für schöne Gespräche.

Nikola genoss die Gesellschaft in der WG und wir die seine.

Er hörte klassische Musik, schaute gerne Dokumentationen.

Wir Kolleginnen und Kollegen konnten oft von seinen Ausführungen und Erklärungen etwas lernen.

Er scherzte gerne, hatte viel Humor.

In der letzen Zeit, als er bettlägerig wurde, blieb Nikola freundlich, in sich ruhend und gelassen. Er war sich seiner Situation sehr wohl bewusst, sprach auch darüber.

Nikolas Bruder Kristo kam oft zu Besuch. Er wurde schnell ein wichtiger Teil der WG Gemeinschaft und von allen sehr geschätzt .

Nikola hatte treue Freunde über Jahrzehnte hinweg, die ihm und Marinus bis ganz zum Schluss zur Seite standen.

Marinus, sein Lebens Partner. Voller Liebe, unermüdlich und zu Herzen rührend hat er Nikola mit uns erst unterstützend, nach der Schließung der WG zuhause alleine, voller Liebe umsorgt und gepflegt. Auch Marinus ist uns Kolleginnen und Kollegen, sowie den Bewohnern sehr ans Herz gewachsen. Er kam uns allen sehr nah, gehörte sehr bald zu uns. Wir alle haben größten Respekt vor allem, was Marinus in Liebe geleistet hat.

Nikola fehlt uns sehr.        Alle Kolleginnen + Kollegen + Bewohner der WG

Günter

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln,
er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um Seines Namens Willen.
(Psalm 23)

Das war Günter, der Diakon.

Bei Andachten mit Thomas Kleine,
der Urnenbeisetzung von Neves, einem Mitbewohner
las Günter gerne diesen Psalm.

Klassische Musik,
ganz viele Lieder,
er konnte auch schön singen.
Blumen,
in guten Zeiten jede Woche ein bunter Strauß –
das brauche ich, sagte er oft.
Bilder an der Wand,
ganz viele,
von Wuppertal, seiner Heimat,
von ihm und den Mitbewohnern.
Schöne Tischdecken und Bettwäsche.
Schön sollte es um ihn herum sein.

Sein Leben war turbulent.
Harte Kindheit,
Familie nicht einfach.
Erst eine Lehre
dann Diakon.
Kirche war sein zu hause,
seine Sicherheit.
Den Boden riss ihm seine Scheidung weg.
Alkohol, am Schluss Obdachlosigkeit
und vieles mehr.

So lernten wir Günter kennen.

Er tat sich schwer mit Ungewohntem, Neuem.
Brauchte lange, sich ein zu leben,
war sehr verschlossen.
Die Krankheit machte ihn milder, umgänglicher, freundlich.
Er nahm oft Rich in den Arm, auch uns Kollegen.
War meist zufrieden, in seiner kleinen Welt.
Im neuen Heim schien er sich wohl zu fühlen,
hatte ein sehr schönes Zimmer.
Die Leute mochten ihn,
das war ihm wichtig.

Er selbst war oft verwundert, wie alt er dennoch werden durfte.
Ließ sich feiern, mit Kuchen und viel Besuch.

Jetzt ist er heimgekehrt, zu einem Vater, den er hier nie hatte.
Und ich bin mir sicher, er macht es sich auch dort ganz schön.

Sabine